Sie sind hier: FeG / Langenfeld / Gemeindebrief
26.09.2017 16:27

Gemeindebrief herunterladen

gemeindebrief_125.pdf

Dezember 2016/Januar 2017

Zum Betrachten des Gemeindebriefs benötigen Sie Adobe Reader oder ein vergleichbares Programm.

Aus dem aktuellen Gemeindebrief

Martin Luther und das Reformationsjahr

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Diese Worte aus Kindertagen machen etwas bewusst. Ja, wir haben Dezember. Auf der Jahresuhr ist das schon ziemlich spät im Jahr. Und wir haben Ende November in einem Gottesdienst uns Gedanken zur Reformation gemacht. Auf den ersten Blick hat das Thema nichts mit der vor uns liegenden Zeit zu tun. Was haben Weihnachten, Jahreswechsel und Martin Luther, der Augustinermönch, gemeinsam?

Im Gedächtnis istuns, dass er im Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg nagelte. Diese 95 Thesen waren sehr gut formuliert und für die damaligen Gelehrten von der Sprache her ein Hochgenuss. Der Inhalt war eher bitter. Denn sie wurden nicht für das stille Kämmerlein verfasst, sondern für eine breite Öffentlichkeit. Damals erfolgte dies über eine öffentliche Bekanntmachung an die Schlosskirche. Jetzt werden Sie sich fragen: Na und? Wenige Menschen konnten Latein und viele Menschen konnten gar nicht lesen. Und wenn ich heute etwas an die Kirchentür nagle, an die Litfaßsäule hefte oder Listen auslege, wird es wenig beachtet. Aber Luther hat sie ins Deutsche übersetzt und drucken lassen. So erreichten sie einen großen Leserkreis. Dieser umfasste damals nicht nur Professoren, Freunde, Kollegen, Kirchoberhäupter, sondern auch das Volk. Quasi Sie und ich konnten die Thesen zum Ablasshandel und dem falschen Weg zum Seelenheil eigenständig in verständlicher Sprache lesen.

Es wird berichtet, dass Martin Luther 1511 nach Rom reiste, um für den Augustinerorden im Vatikan Statusangelegenheiten zu erledigen. Er bekam aber keine Audienz und absolvierte stattdessen den großen Pilgerweg. Er rutschte auf seinen Knien die 28 Stufen der Scala Santa hoch und betete auf jeder Stufe ein Vaterunser, um durch Buße und Gebet Sündenvergebung zu erlangen. Sein Ziel war es, weniger Zeit im Fegefeuer zu verbringen und früher ewiges Leben zu haben. Einfacher ging es damals mit Geld und guten Werken. Mit Geld konnte man alles haben, auch das ewige Leben kaufen. Etwas verkürzt entstand so der Ablasshandel der Kirche. Martin Luther erkannte für sich, dass „nur der Glaube allein einen Christenmenschen“ ausmacht. Mit Luther verbinden uns die Kernaussagen des Evangeliums: Sola fide, sola gratia, sola scriptura. Allein aus dem Glauben, allein aus der Gnade und allein aus der Schrift/Bibel wird ein Mensch gerettet.
Was bewirken diese Worte bei Ihnen?

Es war sicher mutig, die 95 Thesen in der damaligen Zeit einem breiten Publikum öffentlich bekannt zu machen und sich damit gegen die herrschende Meinung und Obrigkeit zu stellen. Wir können sicher sein, dass Martin Luther schon beim ersten eingeschlagenen Nagel Zweifel kamen, ob das der richtige Weg ist, ob das gut gehen kann.
Heute würde Luther sicher nichts an die Schlosskirche nageln, sondern wie damals, zuerst "dem Volk auf's Maul schauen" und seine Thesen über Whatsapp, Twitter und Co verbreiten.
Die Wochenzeitschrift "Die Zeit" hat Ende Oktober die Frage gestellt: Was ist heute christlich? In Anlehnung an die 95 Thesen haben die Journalisten 95 mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten befragt. Theologen, Politiker, Dichter, Kabarettisten, Wirtschaftsbosse und Journalisten sollten die Frage beantworten, was für sie der Kern des Glaubens sei.

Und nun kehren wir an den Anfang des Impulses zurück. Auf den zweiten Blick hat das Thema sehr viel mit der vor uns liegenden Zeit zu tun. Denn, wichtig ist nicht - auch wenn es interessant ist -, was Margot Käßmann, Ursula von der Leyen, Giovanni Lorenzo, Nikolaus Schneider, Dunja Hayali, Dieter Zetsche und so weiter, auf die Eingangsfrage antworten, sondern was antworten Sie? Was ist für Sie heute christlich? Es geht nicht darum, die christlichen Grundwerte des Abendlandes zu verteidigen, sondern eine persönliche Antwort auf die Frage zu geben: Was ist der Kern meines Glaubens?
Kann das Weihnachtsfest oder der Jahreswechsel 2017 Ihre besondere Zeit, Ihr besonderes Erlebnis mit Gott werden? Offenheit für eine solche Möglichkeit ist der erste Schritt.

Ihr Jürgen Mutz